AleSmith Speedway Stout Auf der Überholspur

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Gute Aussichten

Man schaut sie sich ja schon gelegentlich mal an: Die ganzen Ratebeer– und Untappd-Toplisten mit den angeblich besten Bieren der Welt. Nun kann man davon letztendlich halten, was man will, schließlich ist der Geschmack eine höchst subjektive Angelegenheit. Eine gute Platzierung bei Ratebeer muss nicht zwingend heißen, dass ein Bier direkt zum persönlichen Favoriten avanciert. Allerdings können solche Durchschnittsbewertungen und Best-of-Listen durchaus als Inspiration dienen. Man kann hier prima stöbern und sich ein paar Wunschbiere für die Zukunft rauspicken, die man gerne einmal probieren würde. Eines meiner persönlichen Wunschbiere konnte ich letztens verkosten: Das Speedway Stout von AleSmith. Bei Ratebeer auf Platz 12, falls es jemanden interessiert.

Da stand es nun, frisch von Saveur Biére aus Frankreich angekommen: Das gute Speedway Stout. Ein ziemlicher Fels in der Craftbier-Brandung. Kein ultra-rares Imperial Stout – zumindest in Amerika nicht– sondern ein durchaus etwas geläufigerer Name im Bereich des trinkbaren Motoröls. Ein moderner Klassiker, könnte man fast schon sagen. Ein Blick auf die Flasche verrät die wichtigsten Eckdaten: 12% Alkohol, 70 IBU, „brewed with coffee“. Klingt ganz passabel, oder? Dann mal auf ins Glas.

Wie zu erwarten war, zeigt sich das Speedway Stout tiefschwarz. Allzu viel Licht scheint hier nicht hindurch. Riesige Schaumkronen kann man bei 12% nicht zwingend erwarten, eine fingerbreite Schicht kleiner Luftbläschen hält sich aber recht wacker an der Oberfläche. Dann kommt die erste große Prüfung: die Nase. Kakao, dunkle Früchte (Pflaumen, Feigen), Kaffee und Schokolade entfalten sich im Aroma. Alles wirkt wie aus einem Guss, die einzelnen Komponenten scheinen nahezu perfekt aufeinander abgestimmt. Allen voran die starke Präsenz getrockneter Früchte überrascht mich etwas, erfreut mich aber gleichermaßen. So gut riecht Bier nur recht selten. Ich erwartete Großes, bis jetzt habe ich es bekommen.

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Fast am Ziel

Am Gaumen entlädt sich dann die volle Wucht dieses AleSmith-Gebräus. Röstige Kaffeenoten wechseln sich mit den angesprochenen Früchten ab, hinzu gesellt sich eine leicht malzige Süße, im Abgang entfalten sich hochprozentige Bitterschokoladentöne. Cremig, aber nicht zu wuchtig im Körper zeigt sich der schwarze Riese. Eine separat verkostete Tafel erweist sich als kongenialer Partner: Valrhona Abinao, 85%. Kakaofruchtig, herb, elegant, schokoladig. Wie die Schokolade, so das Bier. Herausragend. Viel besser kann man das nicht machen, ein absoluter Protoyp eines Imperial Stouts. Wenn uns irgendwann kleine grüne Männchen besuchen und wissen wollen, wie ein Imperial Stout schmeckt, man möge ihnen dieses Bier reichen.

Das Besondere am AleSmith Speedway Stout ist seine beeindruckende Harmonie und Ausgewogenheit. Natürlich gibt es wuchtigere Biere, gelagert in zig verschiedenen Fässern, mit wesentlich aggressiveren Geruchs- und Geschmacksnoten. Sonderlich außergewöhnlich mag dieser amerikanische Vertreter gar nicht zwingend sein, aber das rückt anhand des beachtlich runden Wohlgeschmacks deutlich in den Hintergrund. Meine hohen Erwartungen wurden erfüllt, eine absolute Empfehlung an alle Freunde tiefschwarzer Biere ist hiermit ausgesprochen. Sicherlich auch bei mir persönlich Platz 12 oder gar besser, falls es jemanden interessiert.

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