Brasserie Cantillon Die ultimative Säurefizierung in Brüssel

Wenn der geneigte Bierfreund an Belgien denkt, dann natürlich auch unweigerlich an die berühmten Sauerbiere des Landes.  Die wohl besten Sauerbiere werden noch in der Region in und um Brüssel gebraut. Dabei steht die weltweit bekannte Brasserie Cantillon als Flaggschiff für diesen interessanten und durchaus abwechlungsreichen Bierstil. Für die Hopfenjünger war es an der Zeit, mal hinter die Kulissen dieser traditionell arbeitenden Brauerei zu schauen. Während unserer letzten Belgien-Exkursion war es dann soweit: Wir standen vor den heiligen Hallen des vor über 100 Jahren von Paul Cantillon in Anderlecht gegründeten Brauhauses. Die Außenfassade versprüht dabei einen leichten Hinterhof-Charme.

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Sind wir hier richtig? Marco und Johannes betreten gleich das Allerheiligste – Foto: AF

Die Brauerei wird auch heute noch als Familienbetrieb geführt. Das Besondere: Hier wird noch mit Maschinen gebraut, die aus dem 19. Jahrhundert stammen. Es werden dabei durchschnittlich ca. 1700 Hektoliter jährlich nur in den kühlen Monaten zwischen Mitte Oktober und Anfang April produziert.

Ein Hauch von anno dazumal: die nach wie vor funktionstüchtigen Maschinen der Brauerei – Fotos: AF

Nach einer kurzen Einführung in englischer Sprache hangelten wir uns mithilfe des deutschen Handouts, welches wir am Empfangscounter erhalten hatten, an den aufgelisteten Stationen entlang. Es ging dabei zunächst durch den Brausaal, den Raum der Kochbottiche und der Quetsche. Danach rauf, rauf, rauf, immer schön die Treppe rauf… zum Getreidespeicher und dem wichtigsten Raum des ganzen Gärprozesses, in dem das Magische geschieht: der Raum des Kühlschiffs. Hier wird die mit Hopfen versetzte Bierwürze in einen riesigen Kupferbottich eingeleitet, auf natürlichem Wege bei Nacht runtergekühlt und die wilden Hefen in der Luft infizieren das Gebräu.

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The place where magic happens: der Raum des Kühlschiffs – Foto: AF

Die nachgewiesenen Mikroorganismen wie 100 verschiedene Hefestämme und 27 Essigsäure-Bakterien bewirken die Spontangärung des schließlich in Eichen- oder Kastanienfässern ausreifenden Bieres. Dies ist dann im Bierfass-Lagerraum zu bewundern. Auch die Gerätschaften zur Fassreinigung, die Abfüllanlage und der Flaschenkeller können begutachtet werden.

Johannes studiert das Handout während die Hefe ihre Arbeit macht – Fotos: AF

Was während dem Rundgang auffällt: Spinnenweben – gefühlt in jeder Ecke. An Fässern, an Balken und an Fenstern. Die Brauerei erklärt dies mit ihrem engen Band zur Natur, da die Gärung und die Früchte im Sommer viele Insekten anzieht. Ein Gebrauch von Insektenpulver wäre jedoch schädlich für das reifende Bier. Somit sorgen die Spinnen für ein natürliches Gleichgewicht in der Brauerei, indem sie die Insekten töten. Ein Brauer würde daher niemals ein Spinngewebe zerstören und lehnt das Töten von Spinnen generell ab.

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Klopf, klopf… wohnt hier jemand? – Foto: AF

Nach dem sehr interessanten Rundgang hatten wir uns dann das ein oder andere Bier verdient. Die zwei in der Besichtigung enthaltenen ausgeschenkten Biere (Lambic und Geuze) waren uns natürlich nicht genug. Wenn wir schon vor Ort sind, dann schlagen wir auch richtig zu! Schließlich gibt es hier die besten Sauerbiere vom Erzeuger direkt im Ausschank. Somit wanderten in der Chillout-Zone der Brauerei das Lou Pepe Kriek, das Carignan, das Lambic D’Aunis und das exzeptionelle Fou‘ Foune in unsere Gläser. Einfach internationale Weltklasse! Am Ende deckten wir uns beim Merchandise- und Flaschenverkauf noch mit diversen Artikeln ein.

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Wird da etwa schon getappt? – Foto: AF

Fazit: eine ganz klare Empfehlung von uns Hopfenjüngern an die Beer-Geeks in aller Welt da draußen. Ein Besuch, der mehr als lohnenswert ist. Wir werden definitiv irgendwann wieder dort aufschlagen. Bis dahin müssen wir uns eben anderweitig säurefizieren 😉

alle Fotos: Alexander Fiegen (alias Hopfenjünger „Figograf“)

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