De Struise Brouwers Zur heiligen Straußenwirtschaft in Oostvleteren

Wenn eine kleine Brauerei vom Lande, in beinahe direkter Nachbarschaft zu einer weltberühmten Trappistenbrauerei, zur besten Brauerei der Welt gewählt wird, dann haben die Verantwortlichen irgendetwas richtig gemacht. De Struise Brouwers nennen sie sich selbst und ihre Braukreationen sind im Ausland sogar noch begehrter als in ihrem Heimatland Belgien. Ein Besuch im provinziellen Westflandern.

Es ist Samstag zur Mittagszeit. Wir besteigen einen Linienbus in Ypern, dessen Haltestellen sich im ländlichen Umland der Stadt befinden. Bei unserer Ankunft im Ort Oostvleteren wollen wir zunächst das Gebäude der Brauerei aufsuchen. Es ist 13:30 und der Ausschank von De Struise Brouwers öffnet erst um 14 Uhr. Jedenfalls hoffen wir das, denn das Gebäude an sich sieht nicht danach aus, als würde hier bald eine der weltbesten Brauereien ihre Pforte öffnen. De Struise hat seit 2009 in einem alten Schulgebäude, Het Oud Schooltje, seine Heimat gefunden. Doch pünktlich zur erwähnten Uhrzeit öffnet sich langsam das Tor und es wird Einlass gewährt. Wir gehen über den Hof zum Hauptgebäude, in dessen Flur der Flaschen- und Merchandiseverkauf stattfindet. In einem ehemaligen Klassenraum werden wir dann vom De Struise-Team und ihren 30 Zapfhähnen begrüßt.

Bierverkostung bei De Struise Brouwers – Foto: AF

Die Brauerei wurde im Jahre 2003 von Urbain Coutteau und Phillippe Driessens gegründet. Bereits 2001 begannen sie, zusammen mit dem Winzer Carlo Grootaert, regionale Biere für ihre Gäste auf einer Straußenfarm zu brauen. Daraus entwickelte sich mit der Zeit ein eigenständiges Unternehmen. De Struise Brouwers (DBS) haben sich nach dem flämischen Wort für „Strauß“ benannt und der Vogel Strauß ziert viele ihrer Labels. Allerdings bedeutet das Wort in der zeitgenössischen Mundart auch „hart“ oder „robust“. Somit wird der Name auch gerne als „The Sturdy Brewers“ ins englische übersetzt. Im Jahr 2008 wurde De Struise von Ratebeer.com zur besten Brauerei der Welt ernannt, was das Interesse an den Bieren vor allem im Ausland nochmals steigerte. Erst in den vergangenen Jahren wurden sie dann auch in Belgien bekannter. Dabei haben De Struise ihren Sitz unweit einer bekannten Trappistenbrauerei, der Abtei Sankt Sixtus aus Westvleteren, deren Zisterziensermönche das weltberühmte Westvleteren 12 brauen, welches noch immer als das beste Bier der Welt gehandelt wird.

Das Wappen von De Struise Brouwers – Foto: AF

Wir nehmen an einem der langen Tische platz und begutachten die Tap-Liste. Hier lassen De Struise Brouwers keine Wünsche offen: Von den fast 30 Bieren, die an dem Tag angeboten werden, ist nur eines als IPA deklariert und neben vereinzelten Klassikern wie dem Witbier, bilden vor allem die Starkbiere das Gros der Auswahl. Darunter fassgereifte Imperial Stouts und Quadrupels, aber auch Sauerbiere, Saisons, Strong Ales und Grutbiere. Als Reminiszenz an den berühmten Nachbarn aus Westvleteren, aber vor allem an einen Benediktinermönch mit Namen Sankt Amatus, braut De Struise auch ein Bier, das als Oostvleteren 12 bezeichnet wird. Sehr bekannt ist auch das Imperial Stout Black Albert und insbesondere die daraus resultierende Black Damnation-Reihe mit dem ikonischen Totenschädel, der schon fast als ein inoffizielles zweites Logo der Brauerei wahrgenommen wird.

Eindrücke der Verkostung werden direkt auf Untappd festgehalten – Foto: AF

Da der Ausschank bei De Struise Brouwers nur als „Proeflokaal“ (dt.: Probierstube) deklariert ist, werden hier keine Speisen angeboten. Es ist jedoch gestattet, eigenes Essen mitzubringen. Und dies ist bei einer solch breit aufgestellten Tap-Liste, die gerne komplett verköstigt werden möchte, durchaus angebracht. Darüber hinaus sind die Preise für die Biere mehr als fair. Mit einer Rechnung von insgesamt nur 39,- € für uns drei Hopfenjünger, verlassen wir zur offiziellen Schließzeit um 18 Uhr die Brauerei.

Ein Besuch bei De Struise Brouwers sollte auf keiner Agenda fehlen, wenn man es sich beispielsweise zum Ziel gesetzt hat, die nur einen Steinwurf entfernte Abtei Sankt Sixtus in Westvleteren zu besuchen. Dabei versprüht die Brauerei von De Struise vor allem durch die Location ihren ganz eigenen Charme. Die Auswahl an Bieren spricht zudem für sich selbst. Eine handwerkliche Brauerei, wie sie im Buche steht. Ob sie jedoch auch mit göttlichem Segen aus der flandrischen Nachbarschaft ihre Biere brauen, ist leider nicht überliefert – einen fast göttlichen Status haben sich De Struise aber dennoch in der Bierwelt erarbeitet.

Johannes ganz konzentriert bei der Verkostung der Biere von De Struise – Foto: AF

(alle Fotos: Alexander Fiegen alias Hopfenjünger Figograf)

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