Die Braubox – Der Test Bier selbst brauen mit kleinem Budget

In den letzten Jahren hatte ich oftmals das große Vergnügen, in die Welt der Craftbiere einzutauchen. Dabei bestand mein „bieriger Input“ nicht nur aus generiertem Wissen aus Fachartikeln oder dem Verköstigen diverser Flaschen sowie dem Leeren unzähliger Gläser mit goldgelbem Inhalt. Vielmehr war es mir vergönnt, neben meinem Studium regelmäßig bei einer Hausbrauerei in Trier zu arbeiten. Da ich aber leider nicht in den Brauprozess mit eingebunden war, jedoch mein Interesse am Bierbrauen im Laufe der Zeit fast bis ins Unermessliche stieg, gelangte ich irgendwann an den Punkt, bei dem der Traum, einmal selbst am Sudkessel zu stehen, in die Realität umgesetzt werden wollte.

Nun begann sie, die Suche nach einem geeigneten Brauset. Aber was musste da der kleine angehende Braumeister in mir plötzlich feststellen: Wer was ordentliches an Equipment haben will, muss schon ziemlich tief in die Tasche greifen. Na gut, wie sieht’s denn da mit den günstigeren Varianten aus? Und nun steht man vor der Qual der Wahl: kauft man sich was für Einsteiger oder dann doch lieber ein erweitertes Set? Das Problem war in meinem Falle ganz konkret, dass die Brausets zumeist auf 20 Liter oder mehr ausgelegt sind. Das war zum damaligen Zeitpunkt aber leider nichts für meine bescheidene Studentenbude. Ich hatte die Hoffnung auf eine adäquate Lösung schon fast aufgegeben, als plötzlich die Braubox von den „Besserbrauern“ aus Hamburg meinen Weg kreuzte.

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Foto: AF

Angebot und Bestellung

Die kreativen Köpfe hinter der Braubox sind Jörg und Kathy, ihres Zeichens selbst Bierfreunde und Genießer, die das handwerkliche Brauen mit qualitativ hochwertigen Zutaten quasi für jedermann möglich machen wollten. Auf der angenehm übersichtlich gestalteten Internetseite der „Besserbrauer“ findet der designierte Heimbrauer dann zunächst auch alles, was für einen guten Start in die Materie nötig ist. Die angebotene Box ist auf Küchenformat ausgerichtet und somit ist man auch nicht gezwungen, ein großes Set für teures Geld zu kaufen und im Keller oder in der Garage zu brauen. Zudem sind die Preise für den Einsteiger hier recht erschwinglich und wirklich jeder Bierfreak, ob brautalentiert oder nicht, kann sich somit mal an einem Sud versuchen. Ich durchforste zunächst die Angebote und stelle zu meiner großen Freude fest: Es gibt eine „Braubox Pale Ale“! Da ich total auf hopfenbetonte Biere abfahre, landet diese dann auch direkt mal im Warenkorb. Ich überlege mir, ob ich vielleicht noch eins von den anderen Zutatenpaketen mitbestellen soll, oder doch eher irgendwas von dem Extrazubehör? Das Kronkorkengerät könnte ja doch ganz nützlich sein. Ich entscheide mich jedoch dagegen, da ich mein fertiges Bier dann in Halbliter-Flaschen mit Bügelverschluss abfüllen möchte. Somit schließe ich die Bestellung ab und kann eigentlich kaum noch abwarten, die Box in meinen Händen zu halten… und am Ende auch noch das eigene Bier! Bis dahin heißt es aber noch: Abwarten und (gekauftes) Bier trinken.

Die Braubox – „Unboxed“

Nach knapp zwei Wochen Wartezeit steht der Paketbote vor der Tür mit der herbeigesehnten Fracht. Erstmal rein damit in die gute Stube und hineingeschaut, was da so alles drin ist. Zuerst springt natürlich die schöne Gärflasche aus Glas ins Auge mit der sich darin befindlichen Bierpumpe. Weiterhin ist auch ein Gärspund mit Stopfen, ein Abfüllschlauch mit Klemme, ein Thermometer und eine Dose Reinigungsmittel vorhanden. Das enthaltene Zutatenpaket besteht aus einer Braumalz-Mischung, dem Hopfen und natürlich der Hefe. Zur Erläuterung der Brauvorgänge ist der Braubox zudem eine Brauanleitung beigelegt. Das Material sieht insgesamt recht hochwertig aus und vor allem die Gärflasche lässt das Brauer-Herz schon leicht höher schlagen. Ich stelle mir bereits bildlich vor, wie mein Sud darin liegt und vergärt. Der Brauvorgang wird übrigens in der Anleitung sehr gut erklärt und dargestellt. Hier kann wohl auch dem ungeschicktesten Heimbrauer absolut kein Fehler unterlaufen. Aber falls doch, so sollte sich dieser einen unter Brauern bekannten Spruch vor Augen halten: „Bier wird es immer“ ;). Bevor es jedoch losgehen kann mit dem Brauen kaufe ich mir noch einige Utensilien, darunter einen 10-Liter Topf, ein feinmaschiges Sieb, eine Küchenwaage, eine Schaumkelle und einen großen Holzlöffel zum Einmaischen. Summa summarum komme ich damit noch um einiges günstiger weg, als ich ganz zu Beginn meines Vorhabens kalkuliert hatte.

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Foto: AF

Der Brauvorgang

Etwa eine Woche später geht es dann ran an den Sud. Der erste Brautag meines Lebens! In meinem großen Topf, den ich zum Einmaischen benutze, fülle ich Wasser und vermische darin das Malz. Dadurch löst sich der Malzzucker, welcher dann in einem späteren Schritt durch die Hefe in Alkohol umgewandelt wird. Dabei muss unter stetigem Umrühren immer auf die richtige Temperatur geachtet werden. Als nächstes steht das Läutern an. Hier wird das Malz von der entstandenen Flüssigkeit, der sogenannten Würze, getrennt. Da einiges an Flüssigkeit beim Einmaischen verdampft ist, muss diese wieder zugeführt werden. Dafür wird ein Nachguss aufgesetzt und erhitzt, mit dessen Hilfe dann der restliche Zucker aus dem Malz – oder besser gesagt aus dem entstandenen Treber – komplett ausgewaschen wird. Nun geht es weiter mit dem Hopfenkochen. Hier findet die „Seele des Bieres“ ihre Verwendung und verleiht diesem seinen Charakter, das Aroma und die Bitterkeit. Dabei wird die Würze zum Kochen gebracht und nach unterschiedlichen Zeitfenstern der Hopfen zugegeben. Dies ist in meinen Augen der erste magische Moment beim Bierbrauen – die Hopfengabe. Anschließend wird die Flüssigkeit runtergekühlt, damit im nächsten Schritt die Hefe ins Spiel gebracht werden kann.

Die gehopfte Würze wird danach in die Gärflasche gefüllt und unsere liebe Hefe nimmt hier nun ihre Arbeit auf. Wie bereits erwähnt, wandelt sie den enthaltenen Zucker in Alkohol und Kohlensäure um – der zweite magische Moment beim Bierbrauen. Dieser Vorgang kann bis zu einer Woche andauern. So lange soll die Gärflasche auch dunkel und bei konstanter Raumtemperatur gelagert werden. Die Gärung ist abgeschlossen und nun wird das Jungbier in Flaschen abgefüllt. Ich habe diese bereits einen Tag vorher gründlich gereinigt. Ich möchte ja schließlich nicht, dass das Ergebnis am Ende ein „Sauerbier“ wird. Damit sich aber in den Flaschen auch Kohlensäure bilden kann – diese ist ja während dem Gärvorgang komplett entwichen – muss zunächst wieder etwas Zucker hinzugefügt werden. Laut der Beschreibung kann man gewöhnlichen Haushaltszucker verwenden. Ich habe mich jedoch zuvor schon entschieden, stattdessen etwas Würze dafür zu benutzen, die ich vor der Hopfengabe zurückgestellt hatte. Ich pumpe das Bier aus der Gärflasche und ziehe es so von der Hefe ab, um es im Kochtopf mit der Würze zu vereinen. Anschließend fülle ich das Bier dann über die Pumpe in die Flaschen. Diese lagere ich dann wieder dunkel und bei Raumtemperatur ein. Jetzt heißt es erstmal: Ganz (un)geduldig drei bis vier Wochen warten.

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Foto: AF

Das eigene Bier – es ist vollbracht!

Die Reifung ist vollzogen und ich stelle danach ein paar Flaschen in den Kühlschrank, um den Vorgang nun komplett abzuschließen. Zudem bin ich bald auf einer Silvester-Hausparty eingeladen, wo ich natürlich mit meinem selbstgebrauten Bier aufschlagen und trumpfen möchte. Endlich, in wenigen Momenten wird die Flasche feierlich geöffnet. Es hatte zuvor Mitternacht geschlagen und nun steht es vor mir und lacht mich an… ich öffne den Bügelverschluss und… PLOPP! Yeah, es ist Kohlensäure drin! Ich schenke mir das Bier in das Teku-Glas, welches daneben steht ein. Es bildet sich eine schöne Schaumkrone, auch die Farbe ist toll und der Geruch ist ein Traum. Es ist fruchtig, hat eine angenehme Zitrusnote, der Hopfen schlägt voll durch und auch die Bittere steht. Nach hinten raus wird es etwas flacher, aber dafür gibt es einen schönen bitteren Nachhall. Ergo, ich bin begeistert und stolz zugleich! Auch meinen beiden Gastgebern, dem Hopfenjünger Johannes und der Claudia, hat es gut geschmeckt. Sogar einige Arbeitskollegen waren sichtlich angetan von meinem „Erstling“, als ich ihnen mal eine Flasche zum probieren vorbei brachte.

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Foto: AF

Fazit

Ich war rundherum zufrieden mit der Braubox von den Besserbrauern. Der Brautag hat echt Spaß gemacht und das Ergebnis konnte sich mehr als sehen lassen. Im Nachhinein fand ich es sogar etwas schade, dass ich nur etwa vier Liter Bier herausbekam am Ende. Das Pale Ale war nämlich so lecker, da hätte ich gerne noch ein paar mehr Flaschen von gehabt. Aber dafür konnte ich aus dem Treber, der nach dem Brauvorgang übrig blieb, ein sehr leckeres Treberbrot backen. Um das Brauen auf dem heimischen Küchenherd mal auszuprobieren, kann ich diese Box somit wirklich jedem Bierfan wärmstens empfehlen!

alle Fotos: Alexander Fiegen (alias Hopfenjünger “Figograph”)

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