INTERNORGA 2017 – Craft Beer Arena Welches Glaserl hätten S' denn gern?

Die alljährliche Leitmesse für die Gastronomie und Hotellerie sollte auch in 2017 wieder zigtausende Besucher in die Messehallen nach Hamburg locken. Erneut präsentierte sich die mittlerweile schon etablierte Craft Beer Arena auf der INTERNORGA unter dem Slogan: „Einzigartige Biere, einzigartig inszeniert.“ – noch größer, noch vielfältiger, noch trendiger. Doch konnte die Arena mit ihren nationalen und internationalen Ausstellern auch wirklich halten, was sie im Vorfeld versprach? Die bieraffinen Besucher und potenziellen Kunden waren mitunter auf einen Einblick in kommende Trends der Branche und deren Marktpotenzial gespannt. Wir ebenfalls. Eine Bestandsaufnahme.

Für die etwa 96.000 Fachbesucher aus aller Welt bot die INTERNORGA auch in diesem Jahr wieder eine Plattform für Innovationen und Newcomer aus der Gastro- und Hotelbranche mit ihren rund 1.300 Ausstellern. Dabei lag natürlich unser Hauptaugenmerk auf der Craft Beer Arena, für die 36 Aussteller angekündigt wurden. Soviel sei vorweg genommen: einige Brauereien waren nicht mit eigener Vertretung vor Ort, sondern wurden durch den jeweils zuständigen Deutschland-Vertrieb repräsentiert. Dennoch gab es hier einiges zu entdecken – außer der hohen Anzahl von Bieren an den einzelnen Ständen zudem noch ein Rahmenprogramm in Form von speziellen Bier-Verköstigungen, Workshops und Podiumsdiskussionen.

Aussteller und Gäste in der Craft Beer Arena – Foto: AF

An welchem Stand könnte ein Hopfenjünger seinen Rundgang über eine solche Messe besser starten als bei Maisel & Friends, hatten Sie doch ihre Neuauflage des Hopfenreiters mitgebracht der uns letztes Jahr so sehr begeistert hatte. Außerdem hatten sie noch die gänzlich neue Kreation Hopfenbock und das Choco Porter mit im Gepäck. Letzteres gab es bisher zumeist exklusiv nur bei Maisels vor Ort im Liebesbier in Bayreuth vom Fass zu trinken. Nun wurde der gute Tropfen endlich in die Flasche überführt. Darüber hinaus gab es noch das Weizen-IPA Citrilla sowie das ebenfalls äußerst rare Hoppy Amber Ale Mosaic im Ausschank. Kurzum: Maisels setzt seinen Weg konsequent fort und es bleibt weiter spannend die nächsten Schritte der Bayreuther Traditionsbrauerei zu Verfolgen.

Biersommelier Michael König von Maisel & Friends mit Hopfenreiter nebst Hopfenjünger Alexander – Foto: SG

Ein weiteres Highlight war der Stand von Founders Brewing Co. aus den USA. Die Brauerei aus Grand Rapids (Michigan) ist im Portfolio von GDP-Drinks gelistet und lässt sich auf der Messe durch diese vertreten. Bei den überaus guten Bieren die dort angeboten wurden stach natürlich vor allem das bei Ratebeer unter den Top-50 geführte Imperial Stout KBS (Kentucky Breakfast Stout) heraus. Einfach eine absolute Referenz wenn es sich um das Thema fassgereifte Biere dreht – besser geht es (fast) nicht.

Daran anknüpfend ging es direkt zum dahinter liegenden Stand. Dort wartete Craftwerk Brewing auf uns. Die ehemalige Versuchsabteilung der Bitburger Brauerei hatte nämlich ihre jüngsten Spezialbiere mitgebracht: das Barrel Aged IPA und das Barrel Aged Sweet Stout. Noch immer steckt in Deutschland die Thematik der Fassreifung von Bieren in den Kinderschuhen. Jedoch konnten hier die Möglichkeiten, welche dieses Verfahren bietet, erahnt werden. Das IPA kam in „Alte Zwetschge“-Edelbrand Fässern zur Reifung, während das Sweet Stout in „Aureum 1865“-Whisky-Fässern seinen Charakter erhielt. So kann es in Zukunft auch in Bitburg gerne weiter gehen.

Aus dem schönen Österreich war die Stieglbrauerei zu Salzburg angereist und hatte ebenfalls ein paar edle Tropfen mit im Gepäck. Darunter das 2016er Jahrgangsbier Sonnenkönig III. – ein Barrel Aged Double Chocolate Oatmeal Porter und mehrere Monate im „Alte Zwetschke“ Eichenfass gereift. Geschmacklich schon etwas besonderes aus der Alpenrepublik. Aber auch die eher unaufgeregteren Stile wie das süffige Paracelsus-Zwickl konnten absolut überzeugen.

Nicht weniger interessant waren die Brauereien aus Polen. Die Craft-Beer Szene im ehemaligen Ostblock ist unter Kennern mittlerweile schon mehr als ein Geheimtipp. Umso neugieriger waren wir nun auf die Biere. Dabei fanden wir bei Browar Kingpin nicht nur das Etikettendesign sehr gelungen, sondern auch der Inhalt war überaus ansprechend. Besonders das Turbo Geezer, ein Double Irish Espresso Stout, hatte es uns durchaus angetan. Auch bei Browar Waszczukowe war es ein dunkler Vertreter der sehr zu gefallen wußte: das Lycha Zbycha kam als ein schön kräftiges Whisky Stout daher. Auch hier im Übrigen ein Kompliment für das künstlerische Design der Etiketten.

Das „schwarze Gold“ von Browar Waszczukowe – Foto: AF

Zurück nach deutschen Landen. Und ab nach Berlin: von der Brauerei BRLO gab es zur Begrüßung erstmal eine „Weiße mit Strippe“ – die Berliner Weisse mit Kümmelschnaps. Ein guter Start. Danach ließen wir uns von der Brauerei Lemke das Bohemian Pilsner, das India Pale Ale sowie eine bisher noch unveröffentlichte und sehr fruchtbetonte Berliner Weisse ins Glas einschenken –  absolut lecker. Spätestens jetzt war uns klar, dass wir Lemke im Augen behalten und bei nächster Gelegenheit mal vor Ort in Berlin vorbei schauen sollten.

Die Jungs von Welde aus Plankstadt hatten neben ihren Flaschenabfüllungen der Badisch Gose und dem Pepper Pils auch den Collab-Brew First (t)Rye vom Fass mit dabei. Ein untergäriges (!) Roggen IPA mit 50 % Roggenanteil. Eingebraut wurde es in den Niederlanden bei der Brauerei Jopen in Haarlem. Für beide Seiten war das Arbeiten mit Roggen eine Premiere unter verschiedenen Voraussetzungen: in Deutschland darf ein Roggenbier eigentlich nur mit obergäriger Hefe gebraut werden, in Holland stellt dies jedoch kein Problem dar.

In Wacken wird nicht nur kräftig gerockt, sondern auch kräftig gebraut. Die Wacken Brauerei war mit verschiedensten bierigen Köstlichkeiten am Start. Unter dem Label „Beer of the Gods“ enstehen im vielleicht durstigsten Dorf der Welt hochwertige Biere deren Etiketten zudem eine Geschichte erzählen. Aus der nordischen Mythologie werden Götter oder Artefakte der Wikinger dargestellt. Der von uns getestete Walkürenschluck, ein Nordic Strong Ale, hatte es wahrlich in sich. Das Baldur, ein Nordic Märzen, war schön ausgewogen und klassisch. Doch dann beim Weizendoppelbock (Tanngnjostir und Tanngrisnir) begannen wir zu frohlocken: überraschend rauchig, schön kräftig, und beinahe schon gefährlich süffig – Rock on!

Am Stand bei den „Beer of the Gods“ (Wacken Brauerei) – Foto: AF

Natürlich war auch die Freigeist Bierkultur auf der Messe mit von der Partie. Der „geistige“ Vater dieser Brauerei, Sebastian Sauer, war bekanntlich einer der ersten Craft Beer Brauer Deutschlands. Dabei erweckt er immer wieder gerne fast ausgestorbene Bierstile zum neuen Leben. Dieses mal hatte er unter Anderem das Session-IPA Mein Drumpf am Hahn, ein Collab-Brew mit der Pizza Port Brewing Co. aus Kalifornien. Vor Jahreswechsel konnten wir uns noch bei einem Tap-Takeover in der Craftbeer Corner Coeln von der guten Qualität der Biere überzeugen.

Last but not Least gab es in der Craft Beer Arena auch spezielle Verköstigungen durch die Vertreter der Firma Spielgelau. Dabei entführten die Biersommeliers Markus Raupach (Die deutsche Bierakademie) und Dennis Spahn (Männerabend – Die Serie) die interessierten Messegäste in die Welt der Biergläser und wie sich durch deren unterschiedliche Glasform die Aromen- und Geschmacksprofile bei bestimmten Bieren verändern oder wahrgenommen werden. Ein durchaus interessantes Thema, welches stetig wachsende Beachtung findet.

Was bleibt nun abschließend festzuhalten? Die deutsche Craftbeer-Szene geht weiter ihren Weg, doch echte Innovationen sind nur marginal auszumachen. Hier tritt man wohl ein wenig auf der Stelle. Natürlich ist den Brauereien das Interesse der Kunden und Gäste mehr als sicher. Bislang wird noch über die Maßen versucht, den Konsumenten mit nicht allzu komplizierten Bieren quasi „abzuholen“ – da ist man im nahen Ausland schon um einiges weiter. Von ein paar wenigen Ausnahmen einmal abgesehen. Eventuell war die INTERNORGA auch nicht unbedingt ein optimaler Gradmesser für die aktuelle Bewertung der Szene. Für diese Schlussfolgerung reicht bereits ein kurzer Blick auf das Line-Up. Das die Entwicklung jedoch voranschreitet, ist ein Fakt. Wenn auch etwas langsamer als es vielleicht so mancher zu Hoffen vermag. Wir bleiben dran.

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