„Junge Wilde“ im Blesius Garten Biertasting in Trier

Und so sitzen wir wieder da in Trier-Olewig. Blesius-Garten – Biertasting. Hier habe ich gelernt, dass Bier anders sein kann. An diesem heißen Sommertag haben sich also circa 40 Hopfenjunkies zusammen gefunden, um Diplom-Biersommelier Sebastian Nguyen von der hauseigenen Kraft-Brauerei zu lauschen und seinen passend zum Hochsommer ausgewählten Biere zu frönen.

Die zu verkostenden Biere stehen für jeden Gast sichtbar auf einer Degustationskarte aufgelistet, aber wie immer zeigt der Veranstalter sich nicht knauserig und beginnt mit einem ersten Gruß aus der Bierwelt, der nicht gelistet ist. Riegele Golden in der unflitrierten Variante – Nguyen hat einen guten Draht nach Augsburg zur Riegele-Brauerei, die auch den Trend der Zeit erkannt hat, dass man neben Hellem-Dunklem-Weizen auch tolle andere Biere machen kann. Das Riegele Golden ist recht herb für ein Helles – Hopfen in der Nase. Bitterer Abgang. Tolle Erfrischung.

Es folgt das erste offizielle Bier. Hierbei handelt es sich um Krafts hauseigene neueste Brauspezialität. Ein Pils. Ein Pils? Wie unoriginell? Weit gefehlt!!! Kraft Bräu – Caspar’s Herrenpils ist großes Tennis. Pilsig frisch in Nase und Antrunk. Neben den pils-charakteristischen Heunoten frisches Zitronengras – sehr schlank und mit über 40 IBU sehr bitter und einfach ein grandioses Pils – ein grandioses Bier. Und es passt herrlich zum Sommer. Als zweites kommt das Kerlig Helle von Kuehn Kunz Rosen aus Mainz. Ein hopfengestopftes Lagerbier, das ich bereits kannte und dass es schon zu meinem Grillbier geschafft hat. Ich kann mittlerweile zu Hause nicht mehr grillen ohne frischen Hopfen. Kerlig Hell ist ein tolles Sommerbier und ein tolles Bier für jeden, der einsteigen will in das Thema „frischer Aromahopfen“.

Weiter gehts nach Berlin zum Hellen von BRLO . Wir lernen vom Meister, dass man BRLO in etwa so ausspricht: Bärlo – ohne das R groß zu rollen oder zu sprechen, aber eben das Ä so zu betonen, als ob ein R folgt. Früher in der slawischen Variante hieß Berlin mal so. Heute steht Berlin auch für aufstrebende Craftbierbrauereien. BRLO interpretiert sein Helles eher malzig, dank des Hinweises meiner sensorisch unschlagbaren Frau Claudi fällt mir ein kleiner Hauch Rauch auf, vollmundig ists – aber nicht zu süß. Bitter im Abgang. Lecker in jedem Fall.

Hektische Betriebsamkeit – das Essen naht. Für die 33 Euro erhält man nicht nur viele tolle Biere, sondern wie immer im Blesius-Garten auch tolles Essen. Heute wirds indisch: Tandoori-Huhn mit Risoni – sehr lecker, sehr würzig und dazu das passende Bier. Und ich meine passend. Denn das Essen war SEHR würzig und Kraft hat just zu dieser Zeit ein Bier frisch im Fass, was auch sehr würzig ist. Das Kraft Imperial Vienna Lager korrespondiert mit dem Tandoori-Huhn, wie ich es bisher nur bei Wein erlebt habe. Dass ein Getränk sich so „aufs Essen legt“: Toll! Tolles Essen, tolles Bier.

Nach dem Essen ein Ausflug in eine andere deutsche Craftbiermetropole (neben Trier und Berlin): Willkommen in Hamburg. Auch hier gibt’s neue aufstrebende Bierbrauer. Buddelship zum Beispiel. Tags zuvor wollte ich noch das Mitschnagger bestellen, ein Pils – leider im Craftbeerstore ausverkauft. Schön, jetzt bekomm ich’s hier ins Glas. 33 IBU – interessante Nase, ja auch pilsig, aber auch Mandarine. Frisch, etwas bitter. Lecker. Sprachen wir über Craftbiermetropolen in Deutschland? Fehlt noch München. Tilmans Biere – Helles. Wer denkt, Helle sind immer nur süffig und langweilig. Tilmans Helle ist kräftig und charaktervoll. Auch bei Hellen kann was los sein im Glas. Was kommt jetzt? Bier aus der Dose? Nein, es ist nicht sinkendes Niveau. Bier ist lichtempfindlich und die Dose beschützt unser leckeres Bier. Vulkan Pale Ale besticht mit Maracujaaromen. Zum Abschluss reisen wir nochmal nach Mainz. Mystique IPA von Kuehn Kunz Rosen – ein gelungenes Weizen IPA, nochmals frischer Hopfen im geschmeidig-schlanken Weizenbett.

Ein toller Abend. Hohe Temperaturen und dazu absolut die richtigen Biere ausgewählt, genauso wie das perfekte Bier zum leckeren Essen. Eines ist sicher: Wir werden wieder kommen zum Blesius-Garten Biertasting.

P.S: Danke an Figos Untappd-Account für die Fotos, sonst wär’s hier etwas karg. Wir geloben fototechnisch Besserung!

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